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Die Satire des Monats Januar 2006 in unserem Online-Baumarkt

Unser Autor berichtet von seinem Versuch, eine von ihm zerdepperte Keramik-Vorratsdose aus der Erbmasse der Großmutter seiner Gattin mit Sekundenkleber zu kleben und einer sich daraus entwickelten Kettenreaktion. Am Ende landete unser Autor im Krankenhaus.

Wie eine Graupendose eine Kettenreaktion auslöste

Das "Ömchen" meiner Gattin hinterließ vier Vorratsdosen aus Keramik mit Beschriftungen wie "Graupen", "Hafergrütze", "Gries" und "Sago". Diese vier Dosen wurden unter den vier Enkeln verteilt. Meine Gattin erhielt die Graupen-Dose (wobei sie bis heute nicht weiß, was eigentlich Graupen sind, haha!)

Besagte Graupendose stand und steht auf der Fensterbank in der Küche und beherbergt Teebeutel der Marke Pompadour. Frauen kriegen ab und an einen Rappel. "Kannst Du Dir nicht mal selbst Tee machen, muß ich denn alles tun?", herrschte sie mich an, als ich in entspannter Haltung auf der Wohnzimmercouch lag und einen rundum friedlichen Anblick bot.

Also sprang ich auf und ab in die Küche, griff nach der Graupendose zwecks Entnahme eines Teebeutels - und schon lag die Dose in der Spüle, sauber zerbrochen in drei Teile. Nun hub ein Wehklagen an - zum Steinerweichen! Das einzige Erinnerungsstück an die liebe Oma - und ich Barbar hätte es zerbrochen. Und überhaupt, wann hätte ich ihr zuletzt Frühstück ans Bett gebracht oder Rosen geschenkt?

Wenn Frauen solche "logischen" Gedankensprünge machen, hilft nur schweigen.

Nachdem das Wehklagen abgeklungen war, erbot ich mich, die Vorratsdose zu kleben. Ich kaufte Pattex-Sekundenkleber, ich strich die Scherbenkanten vorschriftsmäßig ein und drückte diese 60 Sekunden zusammen. Die Dose sah fast aus wie neu.

Leider klebte der Sekundenkleber nicht nur an der Keramikdose, sondern auch an zwei Fingern. Und er ging nicht ab. Weder mit Seife, noch mit Terpentin. Also nahm ich meinen Luxus-Naßrasierer mit den drei Klingen zu Hilfe. Wenn der meine Barthaare abschabt, dann muß er auch den Kleber abschaben. Die Idee war gut, es klappte tatsächlich.

Was mir an meinem Hals nie passiert, dass ich mich nämlich schneide, ereignete sich leider an der Kuppe eines Fingers. Harmloser Schnitt, aber Fingerkuppen sind gut durchblutet. Also eilte ich in meine Hobby-Werkstatt zum 1.-Hilfe-Kasten, klaubte das Fläschchen mit Sepso-Tinktur heraus, nahm im Wohnzimmer Platz und bepinselte die Schnittstelle mit der Tinktur, wobei mich meine Gattin verhöhnte: "Geschieht Dir ganz recht, was mußt Du auch die gute Dose von meiner Oma kaputtschmeißen!"

Diese Anfeindung verursachte in mir ein körperliches Aufbäumen - und schon lag das Fläschchen auf dem Teppich, auf dem sich ein blutroter Flecken bildete.

Ich will es kurz machen und die nachfolgende Kettenreaktion schildern:

Station 1: Der Teppichreiniger erweist sich als Mist, der Fleck verschwindet nicht, er verbreitert sich nur und verfärbt sich rosa
Station 2: Die Glasplatte des Wohnzimmertischs wird weggetragen und dann die drei Marmorfüße, auf denen die Platte lagert. Dabei fällt ein Marmorfuß um und schlägt eine Macke in den Parkettboden.
Station 3: Der Teppich, nun befreit von dem Tisch, wird zusammengerollt und zur Teppichreinigung gebracht.
Station 4: Der deutschpersische Spezialist erklärt, er könne keine Garantie dafür übernehmen, dass der Fleck verschwinde.
Station 5: Der Teppich ist gereinigt, aber der Fleck ist noch da. Es entsteht ein kleiner Tumult, als ich 130 € zahlen muß. Die deutsch-persische Freundschaft ist seither belastet.
Station 6: Der zusammengerollte Teppich erstreckt sich vom Kofferraum bis auf den Beifahrersitz, was aber meine Sicht nur leicht behindert.
Station 7: Es kommt zu einem leichten Unfall wegen leicht eingeschränkter Sicht, bei dem ich leicht verletzt werde. Schaden, da selbst verursacht, Schlappe 4.480 €.
Station 8: Ich habe ein leichtes Schleudertrauma und fantasiere, aber nur leicht. Angeblich soll ich dem Chefarzt gesagt haben: "Hauen Sie bloß ab mit Ihrer Scheiß-Graupendose!".
Station 9: Ich sehe wieder klar, erkenne meine Frau und sage dieser:

"Wenn ich nach Hause komme, mache ich Dir ein schönes Tässchen Tee!"

Dass meine Gattin daraufhin aufheult, aus der Krankenstube stürzt und dabei die Krankenschwester umrennt, die gerade Gebäck und eine Tasse Tee servieren will - was kann ich denn dafür?

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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