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Die Satire des Monats November 2005 in unserem Online-Baumarkt

Unser Autor Wolfram Dübbel berichtet von einem Wunder, das sich im Bereich des Heizungsbaus ereignet hat. Und zwar in Korschenbroich am Niederrhein. Lesen Sie bitte selbst.

Das Wunder von Korschenbroich

Johannes Rath lebt in Korschenbroich am Niederrhein. Einer Landschaft, die reich gesegnet ist an Gnadenkapellen und Wallfahrtsorten, deren bekanntester Kevelaer ist. Korschenbroich könnte Kevelaer den Rang ablaufen, denn dort hat sich ein Wunder ereignet. Im Mittelpunkt des Wunders steht eine Fußbodenheizung und eine Heizungsbaufirma aus Mönchengladbach.

Herr Rath kaufte 1990 in Korschenbroich eine üppiges zweigeschossiges Wohnhaus mit Steildach. Das Anwesen ließ er für viel Geld umbauen. Praktisch blieb kein Stein auf dem anderen - nur die vorhandene Fußbodenheizung, die blieb unangetastet. Als der erste Winter kam, wurde es im Haus schön warm. Nur die obere Etage, die blieb kühl. Was tun in solch einem Fall? Man holt einen Heizungsbauer.

Der erste erklärte, in die alten Kunststoffrohre der Fußbodenheizung sei Luft geraten. "Dat passiert eben bei die ahle Rühre", versicherte er leutselig auf Rheinisch. Also wurde das Leitungssystem entschlammt und durchspült. Aber es blieb kühl.

Nun kam Heizungsbauer Nr. 2 an die Reihe. Der meinte, bei dem "jroße Haus schafft et die kleine Umwälzpumpe nitt!" und baute eine neue, größere ein. Nun wälzte sich das Wasser her und hin - aber es blieb kühl.

Herr Rath wusste Rat - er bestellte eine andere Firma zu sich, Heizungsbauer Nr. 3. Der baute neue, größere Druckausgleichsgefäße ein und hier ein neues Ventil und dort eine neue Armatur. Aber es blieb kühl.

Im September 2005 entschloss sich Herr Rath, den alten Heizkessel auszutauschen und Warmwasser über Kollektoren zu gewinnen. Gleichzeitig regte er an, doch zumindest in einem großen Kinderzimmer einen Radiator einzubauen, "damit es dort endlich auch mal warm wird, ohne dass ich die Elektro-Zusatzheizung anwerfen muß."

Heizungsbauer Nr. 4 leuchtete das ein und er verlegte vom Versorgungsschacht des Hauses über das Steildach bis über die Decke des Kinderzimmers ein Heizungsrohr. Und im Kinderzimmer verankerte er einen sehr großen Radiator. Kosten der Aktion: Um die 2.000 € bei Gesamtkosten von 23.000 €. Der Heizkreislauf wurde mit warmem Wasser gefüllt. Der Radiator wurde warm und das Zimmer auch. Aber nur für kurze Zeit. Dann war es wieder kalt.

Nun kam der Chef persönlich, ein "Inschenör", dem ja bekanntlich nichts zu schwör ist. Und er stellte fest, dass man an der höchsten Stelle des Heizungsrohres, also auf dem Dachboden, ein Entlüftungsventil hätte einbauen müssen. Und so ganz nebenbei gab er seinen Installateuren den Rat, "baut gleich zwei neue Entlüfter in die Unterverteilung der Fußbodenheizung ein!"

Das wurde gemacht, der Radiator wurde warm. Das war aber nicht das Wunder. Das ereignete sich zeitgleich auf dem Fußboden. Der wurde zum erstenmal nach 15 Jahren warm, richtig warm!

Inzwischen pilgern Heerscharen von Hausbesitzern, deren Wohnungen nicht richtig warm werden, zum Mönchengladbacher Inschenör, auf dass dieser möglicherweise wieder eine segensreiche Eingebung hat. Wenn das so weiter geht, wird der Mann heilig gesprochen und der Ort der plötzlichen Erwärmung zur Gnadenkapelle erklärt.

Herr Rath ist mit allem einverstanden, wenn ihm nur jemand den unnütz angebrachten Radiator abbaut und eintauscht. Zum Beispiel gegen ein Ikone des Hl. Sankt Inschenör.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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