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Alles über Dachziegel - hier macht Ton die Eindeckung

Dachziegel werden aus einer Mischung aus Ton und Lehm hergestellt. So machten es auch die alten Römer und sie brachten den Dachziegel nach Mitteleuropa. Die ersten Ziegel aus reinem Ton fabrizierten jedoch die Griechen etwa 2500 Jahre vor der Geburt Christi. Bei solch einer langen Tradition ist es kein Wunder, dass sich zahlreiche Dachziegelformen entwickelt haben. Doch nicht die Form ist unterschiedlich. Auch die Art der Herstellung, die Falzausbildung oder die Farbe sind bei Dachziegeln verschieden. Die Farbe wird beim Brennen erzeugt. Es werden beispielsweise naturfarbene, durchgehend gefärbte oder glasierte Ziegel hergestellt. Ziegel werden mit oder ohne Falz ausgebildet. Dachziegel ohne Falz sind die klassische Variante. Die modernen Falzdachziegel sind eine Weiterentwicklung der römischen Leistenziegel (lateinisch tegula = Ziegel und imbrex = Leiste). Sie sollen durch die Verfalzung der einzelnen Elemente die Fugen zwischen den Ziegeln überdecken. So unterschiedlich die Dachziegel sind, so unterschiedlich sind übrigens auch die Dachformen.

Herstellung von Dachziegeln
Dachziegel ohne Falz
Hohlpfannenziegel
Biberschwanzziegel
Mönch und Nonne
Krempziegel
Falzziegel
Falzziegel: Begriffe
Strangfalzziegel
Doppelmuldenfalzziegel
Flachdachziegel
Hohlfalzziegel
Reformziegel
Romanischer Ziegel

Herstellung von Dachziegeln



Bei der Herstellung von Dachziegeln unterscheidet man wischen Strangdachziegeln und Pressdachziegeln:

Beim Strangpressverfahren wird die Rohmasse durch Formen gepresst und anschließend bei einer Temperatur von etwa 900° Celcius gebrannt. Dies geschieht ähnlich wie bei der Herstellung von Mauerziegeln. Zu Strangdachziegeln zählen Ziegel ohne Falz wie Hohlpfannen- und Biberschwanzziegel sowie die seitlich mit einer Falz versehenen Strangfalzziegel.

Pressdachziegel werden auf Stempelpressen ausgestanzt. Zum einen gibt es beispielsweise die falzlosen Mönch und Nonne sowie Krempziegel. Zum anderen werden Ziegel mit zweiseitigem Falz hergestellt. Hierzu zählen unter anderem Doppelmuldenfalzziegel, Reformziegel, Flachdachziegel (Flachdachpfannen) und Krempziegel. Verschiebeziegel sind Pressdachziegel, deren Kopf- und Fußverfalzung eine Höhenverschiebbarkeit von mindestens 3 cm ermöglicht.

Dachziegel ohne Falz



Hohlpfannenziegel



HohlpfannenziegelHohlpfannenziegelDer Hohlpfannenziegel (Hohlziegel) ist ein klassischer Ziegel ohne Verfalzung, der im Strangpressverfahren hergestellt wird. Der Ziegel hat einen langen Eckanschnitt. Das ist die Voraussetzung für die Verlegung in Vorschnittdeckung, die ein sehr dichtes, ebenmäßiges Deckbild ermöglicht. Hohlpfannenziegel eignen sich hervorragend für die Eindeckung denkmalgeschützter Bauten, aber auch Fledermausgauben bringt er wirkungsvoll zur Geltung. Die Maße in Millimeter eines Hohlziegels von Braas sehen Sie auf der technischen Zeichnung. Die Regeldachneigung bei Hohlpfannen beträgt bei einfachen Ziegeldächern 30 bis 35 Grad, bei Ziegeldächern mit Unterkonstruktion zwischen 20 und 25 Grad. Die Regeldachneigung gibt an, wie stark das Gefälle eines Dachs mindestens sein muss, damit es als regensicher gilt. Sie bezeichnet also nicht die "ideale" beziehungsweise "übliche" Dachneigung. Hohlziegel

Biberschwanzziegel



BieberschwanzziegelBieberschwanzziegelDie klassische Ziegelform ist der Biberschwanz. Schon die Griechen haben sie hergestellt, wie es bei Ausgrabungen zu Tage gefördert wurde. Auch heute noch ist die Beliebtheit des Biberschwanzes ungebrochen. Nicht nur zur Sanierung wertvoller alter Bausubstanz wird er eingesetzt. Verwendung findet der Ziegel auch bei der Gestaltung von individuellen Dachformen moderner Neubauten. Früher verlegte man ihn in einfacher Form auf Holzspießen. Heute erfolgt die Verlegung in Kronen- oder Doppeldeckung. Beide Deckungsarten haben eine lange Tradition und prägen durch ihr besonderes Erscheinungsbild die Dachlandschaften ganzer Regionen.


Doppeldeckung Bei der Doppeldeckung liegt auf jeder Dachlatte eine Biberreihe. Die Biber überdecken sich so, dass die dritte Deckreihe die erste um die Höhenüberdeckung überdeckt. Bei der Kronendeckung liegen auf jeder Traglatte zwei Biberreihen (Lager- und Deckschicht) auf, so dass sie untereinander einen regelmäßigen Halbverband bilden. Die Höhenüberdeckung ergibt sich aus dem Abstand zweier Lagerschichten. Die klassische Form des Biberschwanzes ist der Rundschnittbiber. Weitere Formen sind der Geradschnitt, Korbbogenschnitt, Sechseckschnitt, Segmentschnitt, Kirchenmäuschen und Gotikschnitt. Biberschwanzziegel haben normalerweise ein Größe von 180 x 380 mm mit einer Stärke von etwa 16 mm. Regionale Biberschwanzarten wie beispielsweise der Berliner (Sächsische) Biber haben dagegen eine Größe von 155 x 380 mm. Diese Ziegel zeichnen sich zudem durch eine profilierte Oberfläche aus. Einfache Ziegeldächer ohne Unterkonstruktion haben sowohl bei der Doppel-, als auch bei der Kronendeckung eine Regeldachneigung von 30 bis 35 Grad. Ist eine Unterkonstruktion vorhanden, darf die Dachneigung bei Doppeldeckung 25 bis 30° betragen, bei einer Kronendeckung muss sie jedoch weiterhin zwischen 30 und 35 Grad liegen.

Mönch und Nonne



Mönch und NonneEin zweiteiliger, im Pressverfahren hergestellter Ziegel ist das Modell Mönch und Nonne. Die einzelnen Ziegel kann man sich als halbierte Hohlzylinder vorstellen, die an einer Seite konisch zulaufen. Diese Form der Ziegel wurde im mediterranen Raum besonders für die Klosterdeckung verwendet. Vielleicht stammte daher auch der Name, obwohl auch andere Interpretationen möglich sind. Denn eigentlich sollten Mönch und Nonne voneinander lassen. Als Ziegel liegen Mönch und Nonne jedoch geradezu ineinander verkeilt auf den Dächern. Die Nonne liegt unten und der Mönch wird als Abdeckung darüber gestülpt. Dabei wird der Mönch entweder in Mörtel oder mörtelfrei verlegt. Mittlerweile gibt es auch einteilige verfalzte Klosterziegel. Diese Ziegel verbinden die Optik der Mönch-Nonne-Deckung mit den Vorteilen bei der Verlegung von einteiligen, verfalzten Dachziegeln. Die Decklänge bei einer klassischen Mönch-Nonnen-Deckung beträgt Mönch und Nonneetwa 370 mm, die Deckbreite etwa 235 mm. Der Mönch ist kleiner und wiegt dementsprechend nur 2 kg, während die Nonne etwa 3,3 kg wiegt. Ohne Unterkonstruktion beträgt die Regeldachneigung 40 Grad, mit einer Unterkonstruktion darf das Dach flacher ausgebildet werden, sollte aber 34 Grad nicht unterschreiten.

Krempziegel



KrempziegelKrempziegelWie Mönch und Nonne ist der Krempziegel ein Pressdachziegel ohne Falz. Er ist ein historischer Ziegel in reiner Dachkultur. Bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts reicht die Geschichte dieses Ziegels. Viele alte Gebäude sind noch mit Krempziegeln gedeckt. In Deutschland findet man dieses Modell vom Harz bis nach Franken. Besonders ausdrucksstark wirkt der Krempziegel als Wandbehang. Die klassische Farbe dieses Dachziegels ist Rot, doch auch in anderen Farbtönen kann man den Krempziegel erhalten. Die Krempe verläuft konisch und läßt somit ein variables Krempziegel Übereinanderlegen der Ziegeln zu. Krempziegel sind etwa 260 mm breit, 350 mm hoch und wiegen 2,8 kg. Die Regeldachneigung beträgt 35 Grad.

Falzziegel



Falzziegel, auch Falzdachziegel oder Dachfalzziegel genannt, ist die allgemeine Bezeichnung für Dachziegel, die eine Verfalzung aufweisen. Die Ziegel können nur an den Seiten oder an den Seiten und Kopfenden ineinandergreifen. Das wichtigste Teil bei der Verfalzung ist der Punkt, an dem vier Dachziegel aufeinandertreffen, das Vierziegeleck. Bei den meisten Deckungsarten, insbesondere bei Falzziegeldeckungen überdecken sich alle vier Ziegel in vier Ebenen = Prinzip A. Bei der Vorschnittdeckung im Hohlpfannendach und einigen anderen Falzziegeldeckungen überdecken sich vier Ziegel in drei Ebenen = Prinzip B.

Falzziegel

Bei unverfalzten Dachziegeln kann die Abdichtung der Stoßstelle nur durch Doppeldeckung erfolgen. Dies ist bei einer Verfalzung nicht notwendig. Dadurch ergibt sich ein geringeres Gewicht der Dacheindeckung und ermöglicht eine leichtere Dachunterkonstruktion. Falzziegel bieten zudem besseren Schutz gegen Regen, Schnee und Staub bei ausreichender Dachentlüftung.

Falzziegel: Begriffe

Ansicht von obenLängsschnitt Ansicht von unten
Falzziegel: Begriffe
Querschnitt (vergrößert)

A) Kopffalzteil F) Fußfalznut K) Deckfalzteil
B) Kopffalzrippen G) Seitenfalzteil L) Deckfalzrippen
C) Kopffalznut H) Seitenfalzrippen M) Deckfalznuten
D) Fußfalzteil I) Seitenfalznut N) Aufhängenase
E) Fußfalzrippen    

Strangfalzziegel



Strangfalzziegel Strangfalzziegel sind flache Ziegel mit einem einfachen Seitenfalz. Diese Art der Ziegel gibt es in verschiedenen Formen. Auf der Abbildung ist ein Strangfalz-Geradschnitt und ein Biberfalz-Rundschnitt zu sehen. Der Strangfalz-Geradschnitt ist ein beliebter seitenverfalzter Strangdachziegel mit profilierter Oberfläche und mit kleinen, in der Deckrichtung verlaufenden Hohlräumen. Längsrillem und Rippen an der Unterseite gewährleisten eine zusätzliche, bessere Dachentlüftung. Der Ziegel ist etwa 200 mm breit, 400 mm hoch und wiegt etwa 2,7 kg.

Ein traditionsreicher, seitenverfalzter Strangdachziegel mit zwei symmetrischen Längsrillen an der Oberfläche ist der Biberfalz-Rundschnitt. An der Unterseite befinden sich Rillen zur besseren Belüftung sowie Hohlkammern in der Decklänge. Der Ziegel hat dieselben Abmessungen wie der Strangfalz-Geradschnitt, wiegt dabei jedoch 2,9 kg pro Ziegel. Der Biberfalz ist besonders geeignet für Sanierungen, die aus statischen Gründen keine Biberdoppeldeckung zulassen. Etwa 30 Prozent des Gewichts kann durch die Verwendung von Biberfalzziegeln eingespart werden. Ein weiterer Vorteil der Verfalzung ergibt sich durch die hohe Dichtigkeit.


Doppelmuldenfalzziegel



DoppelmuldenfalzziegelDoppelmuldenfalzziegelDer Doppelmuldenfalzziegel, auch unter dem Namen Doppelfalzziegel bekannt, ist der früheste bekannte Pressdachziegel. Sein geschichtliches Erbe wird durch zahlreiche Eindeckungen historischer Bauwerke in Stadt und Land belegt. Man findet diesen sturmsicheren Dachziegel in fast allen Regionen Deutschlands. Der Ziegel besitzt eine doppelte seitliche Verfalzung, die für mehr Sicherheit sorgt. Gerne wird der Ziegel für Sanierung alter Dachflächen eingesetzt, er paßt jedoch auch hervorragend zu stilbetonten Neubauten. Die Maße eines Doppelmuldenfalzziegels des Dachziegelherstellers Braas können Sie der technischen Zeichnung entnehmen. Im Querschnitt sind sehr gut die beiden charakteristischen Mulden und die Mittelrippe zu erkennen. Jeder Ziegel wiegt etwa 3,6 kg. Die Dachneigung darf beim Doppelmuldenfalzziegel 30 Grad nicht unterschreiten.

Doppelmuldenfalzziegel

Flachdachziegel



FlachdachziegelFlachdachziegel Die Bezeichnung Flachdachziegel könnte für Mißverständnisse sorgen. Dieser Ziegel wird selbstverständlich nicht für Flachdächer, sondern für mittel bis flach geneigte Dächer verwendet. Der Flachdachziegel eignet sich jedoch ebenso gut für steile Dachneigungen. Besonders ausgebildete Falze leiten das Wasser auf die Mulde des darunter liegenden Ziegels. Durch den zusätzlichen Vorteil einer sehr dichten, doppelten Kopf- sowie Seitenverfalzung und einem besonders ausgebildeten Vierziegeleck, ist der Flachdachziegel besonders regensicher. Der Flachdachziegel von Braas ist 275 mm breit, 430 mm lang und wiegt etwa 3,0 kg pro Stück. Die Dachneigung muss mindestens 22 Grad betragen.

Flachdachziegel

Hohlfalzziegel



HohlfalzziegelHohlfalzziegel Nach dem Vorbild klassischer Hohlpfannen wurde der Hohlfalzziegel entwickelt. Er ist ein echter Schiebeziegel mit variabler Decklänge. Das spezielle Falzsystem ermöglicht das Verschieben ohne anheben des Ziegels. Das erleichtert die Verlegung besonders bei nachträglichen Einbauarbeiten und bei der Dachbegehung. Aerodynamische Sperren und Wirbelkammern garantieren eine hohe Sicherheit gegen Schlagregen und Flugschnee. Aus den verdeckt liegenden Seitenfalzen wird eindringendes Wasser sicher in die Mulde des Ziegels zurückgeleitet. Mit Hohlfalzziegeln lassen sich sogar geschwungene Dachflächen, wie beispielsweise bei Fledermausgauben, mühelos eindecken. Normalerweise werden dafür nur falzlose Dachziegel wie Biberpfannen oder Hohlziegel verwendet, da Falzziegel zu wenig Spiel haben. Der Hohlfalzziegel von Braas ist 243 mm breit, 445 mm lang und wiegt etwa 3,2 kg pro Stück. Er kann ab einer Dachneigung von 28 Grad verwendet werden.

Hohlfalzziegel

Reformziegel



ReformziegelReformziegel Der Reformziegel ist ein klassischer Verschiebeziegel, der aus dem Falzziegel entwickelt wurde. Die Verlegung des Ziegels ist innerhalb des Verschiebebereichs unabhängig vom Lattenabstand möglich. Das hat besondere Vorteile bei Sanierungsarbeiten auf vorhandenen Latten. Durch seine betont schlichte, zurückhaltende Flächenwirkung erfreut sich der Reformziegel allgemeiner Beliebtheit, insbesondere bei Neubauten. Zudem läßt er sich leicht und schnell verlegen. Daraus ergeben sich günstige Zeit- und Kostenaspekte. 430 mm lang und 255 mm breit, bei einem Gewicht von etwa 3,5 kg, ist der Reformziegel von Braas. Die Regeldachneigung muss 28 Grad betragen.

Reformziegel

Romanischer Ziegel



Romanischer ZiegelRomanischer Ziegel Mediterraner Flair und geschwungene Formen, die an die Eleganz der Bauformen der Antike und an romanische Dachstrukturen erinnern: Dies ist der romanische Ziegel. Der sehr hohe konische Deckenwulst besticht optisch durch sein schönes Schattenspiel. Im mediterranen Raum, der Heimat des Mönch- und Nonnenziegels, dient dieses starke Schattenspiel zur Kühlung des Dachraums. Der romanische Ziegel mit seiner umlaufenden Ringverfalzung wie beim Flachdachziegel hat eine Regeldachneigung von 22 Grad, wodurch er sich auch für flachere Dachneigungen, als beim klassischen Mönch- und Nonnenziegel eignet. Die Maße des romanische Ziegels "Karthago 2000" von Braas können Sie der technischen Zeichnung entnehmen. Dieser Ziegel wiegt pro Stück etwa 3,6 kg.

Romanischer Ziegel
Wir bedanken uns bei der Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach e.V. für die zur Verfügung gestellten Zeichnungen und Informationen.


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