Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat gerade mit seiner Website "handwerk.de" eine Millionenpleite hingelegt. Etwa drei Jahre werkelte ein Team von etwa 20 Mitarbeitern, darunter drei (!) Vorstandsmitgliedern der eigens gegründeten handwerk.de AG, an dem Projekt herum. Mageres Ergebnis: Weniger als 80.000 Besucher im Monat. Unserem Autor ist es gelungen, mit dem Ex-Vorstandsmitglied Carsten Lausejunge ein Interview zu führen.
Der Handwerksverband und das InternetDübbel: Herr Lausejunge, erst einmal ein Kompliment, dass Sie und Ihre Mitarbeiter in drei Jahren 30 Millionen mit dem Internet-Projekt "handwerk.de" verbraten haben. Dies befähigt Sie und die anderen sicherlich, eine Wurstbräterei zu eröffnen...
Lausejunge: Es waren nicht 30 Millionen, aber auf eine Million mehr oder weniger kommt es auch nicht an. Wenn man uns gelassen hätte, dann hätten wir in 10 bis 15 Jahren sicherlich den Turnaround geschafft! Aber leider hat der ZDH nicht genügend Eigenmittel und der Investor, den ZDH-Geschäftsführer Schleyer aus dem Ärmel gezogen hat, war nicht willens, ein geringes unternehmerisches Risiko mitzutragen.
Dübbel: Bei den Investoren soll es sich um einen Immobilientrust aus Makedonien gehandelt haben?
Lausejunge: Nicht Genaues weiß man nicht. Ich glaube aber, die kamen aus Berlin-Moabit!
Dübbel: Nun ist das ja auch egal, Pleite ist Pleite. Hoffentlich ist für Sie vorgesorgt?!
Lausejunge: Haben Sie schon einmal eine Insolvenz erlebt, bei der die Geschäftsleitung leer ausgegangen ist?
Dübbel: Ehrlich gesagt: nein! Aber beantworten Sie mir bitte eine Frage. Ihr Internetdienst "handwerk.de" wollte ja vor allem dadurch in die schwarzen Zahlen kommen, dass eine Handwerkersuche angeboten wird. Sie hatten ja eigens ein Suchfeld "Handwerkersuche" auf der Homepage. Warum sind Sie nicht gleich mit dem Begriff "handwerkersuche.de" ins Netz gegangen.
Lausejunge: Blöde Frage, die Domain hatte jemand anders, irgendein Privatmann.
Dübbel: Die hätte man dem doch für ein paar Mark abkaufen können!
Lausejunge: Tja, ja, das sagt man so!
Dübbel: Die Domain hätten Sie aber für 4.000 € haben können! Ein Klacks bei 30 Millionen Verlust!
Lausejunge: Wir hatten mehrere Strategiegespräche zu dem Thema. Es gab auch schon drei Referententwürfe. Eine Unternehmensberatung hatte bereits für 40.000 € eine Gutachten abgeliefert, ob der Ankauf ratsam sein könnte. Wir wollten auch gerade ein Seminar zu diesem Thema durchführen, da mußten wir leider erfahren, dass diese Domain verkauft worden ist - eine echte Schweinerei!
Dübbel: Soll ich Ihnen sagen, wer die Domain nun hat?
Lausejunge: Sie kennen den Burschen?
Dübbel: Den kenne ich! Das ist der Chef von "baumarkt.de" - also mein Chef! Der hat einfach den Inhaber angerufen. Und der hat "ja" gesagt und verkauft.
Lausejunge: So muß ja die freie Marktwirtschaft zugrunde gehen! Einfach eine Domain kaufen, ohne Beratung mit einem dreiköpfigen Vorstand und ohne Hinzuziehung einer Unternehmensberatung!
Dübbel: Hoho, mein Chef hat sich durchaus beraten lassen. Er hat Donnerstagabend seine Putzfrau gefragt, was sie von der ganzen Sache hält. Die hat das Vorhaben bejaht...
Wolfram Dübbel |