Man kann sein Haus auf vielfältige Weise optisch aufwerten. Eine der Möglichkeiten ist, sich sogenannten Firstschmuck auf das Dach zu setzen. Hatte der altgediente Wetterhahn aus Metall noch die Aufgabe, die Windrichtung anzuzeigen, ist der moderne Firstschmuck aus Ton gebrannt und oftmals farbig glasiert. Den Hahn gibt es immer noch, wenn auch aus Ton. Hinzugekommen sind Figuren wie bunte Fische, ein Fußball oder sogar ein Glückskäfer - leuchtend gelb glasiert mit schwarzen Punkten. Ob solch ein Krabbeltier Glück bringt? Lesen Sie selbst.
Die Reinlichkeit am KrabbeltierFrau Gabi Ritter hatte Pech im Leben, sie wurde zweimal geschieden. Dann lernte sie Herrn Adolar kennen, nur einmal geschieden, aber einmal verwitwet, Hausbesitzer und leidenschaftlicher Heimwerker. Herr Adolar war begeisterter Verschönerer seines Anwesens. Die Betonung liegt auf "war".
Seine Fensterläden, schön lackiert, glänzten weithin blau und rot. Die Hauseingangstür hatte er mit einem üppigen Vordach aus Holz und echter Schiefereindeckung veredelt. Und natürlich befand sich in den Fugen der Gehwegplatten, die zu seinem Haus führten, kein Hälmlein Gras und kein Häuchelchen von Moos. Beidem rückte Herr Adolar nämlich regelmäßig mit einem Flammenwerfer zu Leibe.
Im Vorgarten grüßten zwei Gartenzwerge, die immer aussahen wie frisch geduscht. Und im Garten plätscherte ein Brunnen, in dem sich anmutig gläserne Fischlein bewegten. Ein Idyll, wie man kaum ein zweites findet.
Frau Ritter-Adolar war des Glückes voll, wenn ihr neuer Ehemann auch mehr in das Anwesen, als in Gold und Brillanten für seine Gabi investierte. Im April dieses Jahres kam Herr Adolar auf die Idee, das Dach des Hauses aufzuwerten durch einen Firstschmuck, wie ihn die Dachziegelindustrie reichhaltig anbietet.
Herr Adolar entschied sich für einen gelb glasierten Glückskäfer mit schwarzen Punkten, der fortan vom Dach leuchtete und von dem stillen Glück der beiden kündete.
Im Mai kam es Herrn Adolar aber so vor, als ob der gelbe Glückskäfer verschmutzt sei. Also krabbelte er mit einem feuchten Lappen und frohen Mutes auf das Dach. Er säuberte das Krabbeltier und winkte seiner Ehefrau Gabi Ritter-Adolar unten im Garten freudestrahlend zu.
Doch nahm die Freude ein jähes Ende, denn Herr Adolar stürzte ab. Seither ist Gabi immer noch zweimal geschieden und nun auch einmal verwitwet.
Frau Ritter-Adolar hat gleich nach dem Begräbnis den Glückskäfer von einem Dachdecker fachmännisch entsorgen lassen. Die beiden Gartenzwerge sind auch ums Leben gekommen - sie wurden von der Witwe zertrümmert, weil sie "so dämlich gelacht haben, selbst als mein Mann zerschmettert vor ihren Füßen lag!"
Frau Ritter-Adolar kann sich vorstellen, noch ein viertes mal zu heiraten. "Aber auf keinen Fall einen Heimwerker!"
Wolfram Dübbel |