Es gibt ganz ernsthaft vorgebrachte Gebrauchsanleitungen, die in ihrer Skurrilität kein Satiriker erfinden kann. Unser heimwerkender Autor ist den Ratschlägen gefolgt, die er sich aus dem Internet geholt hat. Es ging darum, die Umwelt zu schonen und den häuslichen Urin an einer Lehmwand verrieseln zu lassen.
Pippi ökologisch an der Lehmwand verrieseln!"Separett" heißt die WC-Schüssel, in der "Feststoffe" und Urin getrennt aufgefangen und abgeleitet werden. Das eine in die Kanalisation, das andere an eine Verrieselungswand aus Lehm. Die Konstruktion ist einfach: Man schließe das "Separett" an ein Rohr an. Aus diesem fließt der Pippi in eine Dachrinne, die angebohrt worden ist. Die Dachrinne wird über einer eigens gebauten Lehmwand installiert, sozusagen als Firstschmuck. Und aus den Bohrlöchern rieselt dann der Pippi auf die Lehmwände und verdunstet. Zurück bleiben weiße Kränze, die abgeschabt werden müssen. Denn es handelt sich um auskristallisierten Salpeter, der als Dünger verwertet werden kann. Soweit die Konstruktion.
Als ich die Lehmwand errichtete, und zwar getreu der Anleitung aus magerem Lehm, wurde meine (ebenfalls magere) Nachbarin mißtrauisch: "Was bauen Sie denn da?" Und weiter: "Haben Sie überhaupt eine Baugenehmigung?"
Ich erwiderte sanft, es entstehe hier eine Urin-Verrieselungswand, für die eine Baugenehmigung nicht erforderlich sei. Gleichfalls lud ich meine Nachbarin ein, die Wand auf der Grundstücksgrenze als Gemeinschaftsobjekt zu errichten. Sie dürfe dann ihren Pippi ebenfalls an der Wand entsorgen. Und natürlich auch ihr Mann, der als starker Kölsch-Trinker sowieso mit ständigem Harndrang kämpft.
Meine Nachbarin schien das Vorhaben nicht zu erfreuen, ja ich glaube sogar gehört zu haben, wie sie ihrem Gatten zurief: "Der Dübbel, der ist jetzt ganz übergeschnappt!"
Nun schön, ich erhielt Besuch vom Bauordnungsamt. Die beiden Herren zogen wieder ab, weil die einschlägige Baugesetzgebung nichts über Verrieselungswände hergibt. Einen Strafbefehl habe ich aber bekommen - wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Ja was kann denn ich dafür, dass der Sammelbehälter, in den ich gemäß Gebrauchsanleitung überschüssigen Urin zwischengelagert hatte, bei Windstärke 8 vom Dach gefallen ist und die beiden Herren durchnäßt hat? Ich habe ihnen empfohlen, die Anzüge trocknen zu lassen, den Salpeter auszuklopfen und als Dünger oder Sprengstoff weiter zu verkaufen.
Man hat mich in ein Sanatorium eingewiesen. Es ist ein altes Gebäude. Die Zimmer haben Lehmputz. Erstaunlicherweise bin ich beim Pflegepersonal unbeliebt, weil ich meinen Urin an der Wand verriesele.
Die werden sich wundern! Ich habe schon 200 g Salpeter gewonnen. Wenn ich erst einmal zwei Kilo beisammen habe, jage ich den ganzen Laden in die Luft.
Wolfram Dübbel |