Wir weisen unsere User darauf hin, dass unser Herr Dübbel im Krankenhaus lag, dort die Belegschaft verrückt gemacht hat und nun wieder auf den Beinen ist, um seinen monatlichen Beitrag schreiben zu können.
Das Krankenhaus-ZyprepäneonIch lag auf der "Inneren", Station O 6, Zimmer 436. In einem Einzelbett-Privatzimmer, wie es sich für einen beliebten Satire-Schreiber auch gehört. Man war nett zu mir und der Chefarzt schüttelte mir jeden Tag die Hand, was sich als "ausführliche Beratung durch den Chefarzt oder seinen Stellvertreter" mit 27,23 € in der Rechnung niederschlug.
Jeden Tag trat Frau Haschimaschi in mein Zimmer, so verstand ich jedenfalls Ihren Namen. Frau Haschimaschi ist Marokkanerin und hatte die Aufgabe, täglich drei frische Handtücher und drei frische Waschlappen ins Bad zu legen. Nach dem 4. Tag stapelten sich auf der Ablage über dem Waschbecken 12 Waschlappen.
Frau Haschimaschi wollte oder konnte nicht verstehen, dass ich mich ohne Waschlappen zu duschen pflege. Drei frische Waschlappen, das hatte man ihr eingeimpft. Was tun? Die Krankenschwestern erklärten sich für "Wäschefragen" als unzuständig. Also rief ich Herrn Blömeke an, den Oberheimwerker bei "baumarkt.de":
"Bau mir mal ganz schnell aus irgendwelchen Holzresten ein Kästchen 20 breit, 15 tief und 7 cm hoch!"
Kollege Blömeke war mitfühlend mit mir armen Kranken. Anderntags war das Kästchen da. Halb geschreinert aus Zebrano-Holzresten, halb aus Ahorn. Und sogar mit gefasten Kanten!
Als Frau Haschimischi wieder mit drei Waschlappen das Bad betrat, trat ich auch, und zwar ihr zur Seite: "Da kleine Kasten. Da nur Platzi-Platzi für drei Waschelappi-Lappi. Da tun Du rein die drei Waschelappi, die anderen weggetun - nix ich brauche mehr als drei Waschelappi-Lappi in die Kasten!"
Ich stopfte vor Frau Haschimischi drei Waschlappen in das Kästchen, legte es auf die Ablage und drückte Frau Haschimischi neun überflüssige Lappen in die Hand.
Anderntags traf mich fast der Schlag - und ich sollte mich doch keinesfalls aufregen, wie Oberarzt Dr. Muth und Chefarzt Prof. Dr. Prengel ausdrücklich erklärt hatten. Denn was fand ich im Bad vor? Das Kästchen mit drei Lappen und darauf gestapelt weitere zwölft.
Ich ergab mich in mein Schicksal. Als ich das Hospital verließ, hatte ich unter dem linken Arm 21 Waschlappen eingeklemmt. Die gab ich an der Information ab mit dieser heimtückischen Erklärung:
"Das sind die Waschlappen für Oberarzt Dr. Muth, der wartet schon dringend darauf. Rufen Sie an auf der Station, die sollen das abholen!"
"Ja wer sind Sie denn?"
"Ich heiße Dübbel und komme vom Wäschenotdienst. Beeilen Sie sich, der Oberarzt tobt schon herum, weil er keine Waschlappen hat!"
Gemessenen Schrittes verließ ich das Krankenhaus und ging zum Parkplatz, eine hektisch telefonierende Dame hinter mir lassend.
Auf dem Parkplatz zahlte ich meine 25 € für zehn Tage parken zu 2,50 €, ging immer noch gemessenen Schritts zu meinem PKW und holte aus dem Koffer das Holzkästchen. Als ich am Häuschen des Parkplatzwächters vorbeifuhr, übergab ich diesem das Kästchen. Es entwickelte sich dieser Dialog:
"Was soll ich denn damit!"
"Das muß ganz schnell zu Prof. Prengel!"
"Ich darf hier aber nicht weg!"
"Sollen Sie ja auch nicht. Rufen Sie die Sekretärin vom Professor an. Die soll schnellstens hier das Zyprepäneon abholen! Der Chef wartet drauf und tobt sonst herum!"
Der Parkplatzwächter: "Wie heißt der Kasten?"
"Zyprepäneon!"
"Wie schreibt sich denn das?"
"Wie man es spricht! Aber nun rufen Sie schon an!"
Und das tat er denn auch. Die Vorzimmerdame von Prof. Prengel zeigte sich beunruhigt. Sie kannte kein Zyprepäneon, wollte sich aber keine Blöße geben.
Der Parkplatzmann legte den Hörer auf und teilte zufrieden mit:
"Die kommen das Zütronäsium holen!"
Da fuhr ich würdevollen Blicks davon, mußte aber mehrfach rechts ranfahren und mich ausschütten vor Lachen.
Drei Tage später rief ich mit verstellter Stimme das Vorzimmer an:
"Hat man Ihnen einen kleinen Holzkasten ausgehändigt, ein Zyprepäneon?"
"Ja sicher. Wir alle rätseln, was wir mit dem Ding sollen?
"Mir ist ja auch ein Fehler unterlaufen. Das Zyprepäneon muß zu Prof. Spitzmann auf Station 02!"
"Ach so - ja, ja, gebe ich weiter. Aber was ist das eigentlich, dieses Zyperneon?"
"Das heißt Z - y - p - r - e - p - ä - n - e - o - n und Prof. Spitzmann wird Ihnen gerne erklären, was das ist!"
Falls ich noch einmal in ein Hospital muß, werde ich wohl in eine andere Klinik ausweichen. Nicht auszudenken, wenn es da auch eine Frau Haschimischi gibt!
Wolfram Dübbel |