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Die Satire des Monats Mai 2005 in unserem Online-Baumarkt

Gewinnspiele und Verlosungen gehören zum Internet, wie der Sand zur Wüste. Auch diese Website führt solche Verlosungen durch. Es gibt sogar schon Websites, die den User gegen Gebühr gleich an hunderten von Gewinnspielen teilnehmen lassen. Da kann es dann passieren, dass ein Schwiegersohn nicht nur selbst mitspielt, sondern - um die Gewinnchance zu erhöhen - auch seinen ahnungslosen Schwiegervater mitspielen läßt. Was dabei herauskommt, erzählt Ihnen unser Autor.

Erst Bauplatten gewonnen, dann zum Blumenmörder geworden

Ich bin Großvater. Und ich bin Hausbesitzer. Und ich brauche manches, aber ganz gewiß keine 100 m² Bauplatten im Format 100 x 150 cm. Als die Dame von der Firma PlattiBrutti (Name von der Redaktion geändert) anrief, dass wir in der Verlosung gewonnen hätten und wann der Gewinn ausgeliefert werden solle, antwortete meine zur Arglosigkeit neigende Gattin, die das Telefonat entgegengenommen hatte: "Am liebsten sofort!"

Vier Tage später kamen die Platten an. Drei zentnerschwere Paletten wurden in meiner Garagenauffahrt abgesetzt. Worauf ich nicht mehr mit dem PKW aus meiner eigenen Garage kam. Ich versicherte meiner Gattin, dass ich an keinem Wettbeweb teilgenommen hätte. Und sie solle gefälligst dafür sorgen, dass die Platten wieder abgeholt würden.

Irgendwie muß ich meine Stimme so erhoben haben, dass meine Gattin in Tränen ausbrach. Ein Sachbearbeiter bei der Fa. PlattiBrutti, von mir am Telefon freundlichst um Auskunft gebeten, lehnte entschieden ab, die Platten zurück zu nehmen. Ich habe nun einmal gewonnen - basta. "Freuen sollten Sie sich, lieber Herr Dübbel, freuen!"

Immerhin wurde mir "mein" Teilnahmeschein zugefaxt. Und was erkenne ich an der eMail-Adresse? Mein Schwiegersohn, dieses Rindvieh von einem Mann, hat den Schein mit meinen Namen ausgefüllt, um seine Gewinnchancen zu steigern. Ich habe ihm am Telefon leichte Vorwürfe gemacht, möglicherweise habe ich ihn auch als "dämliches A.....loch" tituliert. Möglicherweise.

Jedenfalls habe ich die Paletten von einer Spedition abholen lassen. Die haben die zenternerschwere Last im Vorgarten meines Schwiegersohns abgesetzt, wobei ein Blumenbeet zermanscht wurde, weshalb mich meine Tochter als "Blumenmörder" beschimpft hat.

Mein Schwiegersohn hat versucht, die Platten zu verkaufen. Nach drei Wochen vergeblichen Bemühens hat er sie als Bauschutt entsorgen lassen. Hat ihn 377 € gekostet - incl. Mehrwertsteuer. Dies hat mir meine Tochter berichtet und gefordert, ich (ausgerechnet ich!) solle die Kosten übernehmen und außerdem ihr Blumenbeet instand setzen.

Ich habe mich nicht provozieren lassen. Ich bin ganz gelassen geblieben. Ich habe aber in den folgenden Wochen unter dem Namen meines Schwiegersohns und unter einer neuen eMail-Adresse an 121 Verlosungen teilgenommen. Gestern erfuhr ich auf dem Umweg über meine Frau, denn derzeit redet meine Tochter nicht mit mir, dass ihr Mann in einer Verlosung den 1. Preis gewonnen hätte: 100 m² Bauplatten!

Ich habe meinen Schwiegersohn angerufen. Ich bin ja ein grundsätzlich milde gestimmter Mitmensch. Und ich habe ihm zu dem Gewinn ganz, ganz herzlich gratuliert.

Wolfram Dübbel
Die Redaktion distanziert sich mit aller Verschiedenheit vom Inhalt der Dübbel'schen Satire und weist jede Haftung für den Klarheitsgehalt der aufgestellten Behauptungen mit größter Verschlossenheit zurück.
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