Die Fugen müssen verspachtelt werden

Rigips

Grundlagen

Bei der Verarbeitung von Rigips-Platten entstehen an den Plattenstößen zwangsläufig Fugen.

Beim Trockenbau-Handwerker gilt die ordnungsgemäße Verspachtelung dieser Fugen als krönender Abschluß und Handschrift seiner Arbeit.

Aber auch der Selbermacher sollte darauf achten, daß die Fugen richtig verspachtelt sind, denn falsch ausgeführte Spachtelarbeiten können bei den Folgearbeiten wie Tapeten, Anstrichen oder Putzen zu Schäden in Form von Rissen führen und die optische Qualität der geleisteten Arbeit negativ beeinflussen.

Wichtigster Grundsatz sollte daher sein:
Die Verspachtelung der Fugen sollte nur mit den dafür vorgesehenen Fugenspachteln von Rigips durchgeführt werden.
Niemals Ansetzbinder, Haftputz oder andere Materialien verwenden, denn nur entsprechend abgestimmte Fugenspachtel garantieren eine rißfreie und dauerhaft glatte Verbindung der verarbeiteten Gipskartonplatten.
Fugenspachtel

Auswahl des geeigneten Fugenspachtels


Die Rigips Fugenspachtel sind auf die jeweiligen Plattentypen abgestimmt und garantieren eine sichere Verspachtelung auch ohne Bewehrungsstreifen. Wichtig Für die richtige Verspachtelung der eingesetzten Gipsplatten ist die Ausbildung der Plattenkante.

Für jeden Plattentyp der richtige Fugenspachtel

Plattentyp "Die Weiße" "Die Grüne" "Die Rote" Rigicell 12
 Kantenform        
 Unifüll X X    
Fugenspachtel vario* X X X X
Rigicell Fugenspachtel       X
* für höchste Ansprüche in Profi-Qualität
Die Kanten der Rigips-Platten sind so ausgebildet, daß sie mit dem entsprechenden Fugenspachtel ohne einen Bewehrungsstreifen verspachtelt werden können und trotzdem die geforderte Fugensicherheit erreichen. Alle Rigips-Platten werden auf Stoß verlegt.
Hinweis:
großformatige Rigips-Platten mit den Abmessungen 1,25 m x 2,00 m oder 2,60 m haben eine abgeflachte Kante. Sie werden mit Fugenspachtel vario ohne Bewehrungsstreifen oder Fugenfüller Super mit Bewehrungsstreifen verspachtelt.

Mischungsverhältnisse und Verarbeitungszeiten

Produkt Fugenspachtelmenge Wassermenge Verarbeitungzeit
Unifüll 5 kg 4,5 l 30 Minuten
Fugenspachtel vario 5 kg 2,5 l 30 Minuten
Rigicell Fugenspachtel 5 kg 4,5 l 30 Minuten

Arbeitsschritt 1: Anrühren


Das Anrühren der Spachtelmasse hat einen großen Einfluß auf das spätere Verhalten bei der Verarbeitung.
  • Zum Anrühren grundsätzlich nur saubere Gefäße und sauberes Leitungswasser verwenden.
Achtung:
Nicht gereinigte Gefäße und schmutziges Wasser können die Verarbeitungszeit erheblich verkürzen.
  • Nur soviel Spachtelmasse anrühren, wie auch innerhalb der angegebenen Verarbeitungszeit verarbeitet werden kann.
  • Ungeübte Spachtler sollten max. 2,5 kg Spachtelmasse anrühren, um festzustellen, wie der Spachtelvorgang verläuft.
  • Bei komplizierten Spachtelflächen sollte zunächst ebenfalls weniger Spachtelmasse angerührt werden.
Das Einstreuen des Trockenmaterials in das Wasser erfolgt solange locker per Hand oder aus dem Beutel, bis sich auf der Oberfläche kleine Pulverinseln bilden.

Hierdurch wird die Entstehung von Klumpen vermieden und die richtige Konsistenz erreicht.
Fugenspachtel anrühren Fugenspachtel anrühren
Wichtig:
Erst nach ca. 3 Minuten Sumpfzeit, in der sich Wasser und Gips verbinden, wird die Spachtelmasse per Hand umgerührt und ist dann gebrauchsfähig.
Zu steif angesetzte Masse kann mit Wasser verdünnt werden.
Nachstreuen kann zu Klumpenbildung Führen, in diesem Fall gut durchrühren.

Konsistenz Fugenspachtel
Tip: Die Konsistenz des angerührten Fugenspachtels sollte so sein, daß das Material bei umgedrehter Kelle nicht abrutscht.

Arbeitsschritt 2: Vorspachteln

Nach dem Anrühren des Fugenspachtels kann mit dem ersten Spachtelgang, dem Vorspachteln der Fugen, begonnen werden.

Um eine vollständige Verfüllung der Fuge zu gewährleisten, wird der Fugenspachtel mit der Glättekelle unter leichtem Druck in die Fuge eingebracht.
Vorspachteln
Anschließend wird die Spachtelmasse in möglichst langen Zügen von oben nach unten oder umgekehrt glatt abgezogen.

Hierdurch werden unnötige Spachtelansätze bzw. Spachtelgrate vermieden.

Um eine bessere Aufnahme des Fugenspachtels zu gewährleisten, sind die nicht kartonummantelten Querkanten der Rigips-Platten bereits werkseitig angefast.

Klingenmesser Offene Schnittkanten die beim Einpassen der Rigips- Platten entstehen, müssen daher vor der Verspachtelung mit einem Klingenmesser ebenfalls angefast werden.
Tipps:
  • Beim Vorspachteln sollten immer zuerst die Querfugen verspachtelt werden
  • Um höchste Fugenfestigkeiten zu erreichen, sollten diese offenen Kanten vorher mit einem Pinsel und Wasser von Gips- und Baustaub befreit werden

Arbeitsschritt 3: Nachspachteln

Die Nachspachtelung erfolgt sobald das Vorspachteln beendet und das Material erhärtet ist.

Um eine übergangslose, glatte Fläche zu erhalten, sollten vor Beginn der Nachspachtelung evtl. vorhandene Spachtelgrate abgestoßen werden.

Nachspachtelung Zum Nachspachteln werden die gleichen Fugenspachtel eingesetzt wie Für die Vorspachtelung, sie können in einer etwas dünneren Konsistenz angemacht werden um das sog. Ausziehen zu erleichtern.

Der Fugenspachtel wird dann ebenfalls in möglichst langen gleichmäßigen Zügen mit der Glättekelle auf die vorgespachtelte Fuge aufgetragen.

Die Spachtelfläche sollte zu einem planebenen Übergang mit der Platte ausgezogen werden.

Unebenheiten schleifen Nach dem vollständigen Aushärten der Nachverspachtelung können evtl. entstandene Unebenheiten oder Grate geschliffen werden, um eine planebene Oberfläche zu erhalten.
Hinweis:
  • Die Nachspachtelung kann auch mit der hierfür entwickelten Spachtelmasse Rigiplast durchgeführt werden
  • Rigiplast ist gebrauchsfertig, besonders geschmeidig und läßt sich leicht planeben ausziehen
  • Das Material ist gut schleifbar und kann auch Für einen vollflächigen Überzug zur Erreichung schattenfreier Oberflächen eingesetzt werden

Verspachtelung von Innen- und Außenecken


Neben der Verspachtelung der Fugen auf der ebenen Wand oder einer Dachschräge, gibt es auch Spachtelpunkte, die im Bereich von Ecken oder Anschlüssen an andere Bauteile liegen.

Eckanschlüsse Längskante an Längskante (kartonummantelt)


Bei Inneneckanschlüssen werden die Längskanten der Rigips-Platten ohne Fugenabstand fest aneinander (stumpf) gestoßen und dann verspachtelt.
Innenecke spachteln Eckanschluss Längskante

Eckanschlüsse bei geschnittenen Kanten


Hier werden die Platten-Kanten nicht angefast, sondern mit einem Fugenabstand von ca. 5 mm verlegt. Diese Fuge wird anschließend mit Fugenspachtel ausgedrückt und glattgezogen.
Fuge spachteln Eckanschluss geschnittene Kante

Eckanschlüsse an Mauerwerk, Putz, Beton etc.


Beim Anschluß einer Gipsplatte an Putz oder Beton sollte zwischen Plattenkante und Wand ein selbstklebendes Malerband (Kreppband) geklebt werden, das Für eine Trennung der unterschiedlichen Materialien sorgt. Der sichtbare Teil des Klebestreifens wird nach der Verspachtelung entfernt.
Kreppband entfernen Eckanschluss Mauerwerk

Wand-Außenecken mit Kantenschutzprofil


Bei stärker beanspruchten vorspringenden Wandecken wird zweckmäßigerweise ein Kantenschutzprofil eingespachtelt.
Kantenschutzprofil Kantenschutzprofil einspachteln

Verarbeitungsgrundregeln


Diese Grundregeln sollten bei der Fugenverspachtelung beachtet werden:
  • Bei erhöhter Luftfeuchtigkeit wird nicht nur die Trocknung der Spachtelmasse verzögert, es können auch Fugenquellungen entstehen, d.h. vor der Verspachtelung auf die Luftfeuchtigkeit achten und z.B. noch anstehende Putzarbeiten vorher abschließen
  • Bereits eingebaute Platten, die durch Wetter- oder Baueinflüsse feucht geworden sind, dürfen erst nach dem vollständigen Austrocknen verspachtelt werden
  • Starke Wärmeeinwirkung kann zu Fugenrissen Führen, deshalb sollte z.B. Gußasphalt in jedem Fall vor der Verspachtelung eingebracht werden
  • Werden Räume im Winter schockartig aufgeheizt, kann es zu Längenveränderungen der Platten und damit zu Spannungsrissen kommen
  • Bei Frost dürfen keine Spachtelarbeiten ausgeführt werden
  • Werden Rigips-Platten im Trockenputzverfahren mit Ansetzbinder angebracht, darf ebenfalls nicht sofort verspachtelt werden. Das völlige Austrocknen des Binders muß abgewartet werden, um Spannungen und dadurch entstehende Risse zu vermeiden
Wichtig:
Bei mehrlagigen Beplankungen müssen generell auch die Fugen der unteren Plattenlagen verspachtelt werden, wobei hier ein Spachtelgang genügt.

Werkzeuge und Hilfsmittel


Diese Werkzeuge helfen beim richtigen Verarbeiten von Gipsplatten und Fugenspachteln:

Zum Vor- und Nachspachteln:


rostfreie Glättekelle mit nicht zu dünnem Griff, Japanspachtel
Japanspachtel
Zum Schleifen:
Schleifpapier
Schleifpapier
Für die Kanten:
Klingenmesser
Klingenmesser
Für die Plattenausschnitte:
Stichling, Dosenfräse
Stichling, Dosenfräse

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