Merkwürdige Anfragen werden manchmal per E-Mail an baumarkt.de geschickt. Dieser Tage wollte ein Leser wissen, ob Ruszwurm im Ungarischen gleichzusetzen sei mit Holzwurm im Deutschen. Er (der Fragesteller) wolle am Plattensee ein Holzhaus kaufen, befürchte aber, dass dieses vom Ruszwurm befallen sei, da der bisherige Inhaber des Hauses die Kaufverhandlungen „im Ruszwurm“ führen wolle.
Die Redaktion hat die Frage weiter geleitet an ihren bewährten Mitarbeiter Wolfram Dübbel, der im Haus seines Schwiegersohnes schon einmal den Holzwurm bekämpft hat.
Ist der Ruszwurm das, was im Deutschen der Holzwurm ist?
Die Frage unseres Users Ernst Maria Sprengemann, ob der Ruszwurm gleichzusetzen sei mit dem Holzwurm, hat mich in einige Verlegenheit gebracht –
und das will was heißen! Herr Sprengemann will am Plattensee, also in Ungarn, ein Holzhaus kaufen, befürchtet aber, dass dieses vom Holzwurm befallen sei, da der Verkäufer mit ihm „im Ruszwurm“ verhandeln wolle.
Ich bin der Sache nachgegangen. Den „Wurm“ gibt es im Ungarischen zwar, aber dort heißt er „kukac“. Da Ungarn aber einmal zu Österreich gehörte, sind dort viele deutsche Begriffe im Schwange. So ist der Graf im Ungarischen ein Grof, der Wurm aber nicht der Worm. Im Englischen aber sehr wohl. Kein Angler in England kommt ohne „worm“ aus. Doch ich will nicht abschweifen.
„Rusz“ kommt im Ungarischen nicht vor, der Russe heißt bei den Magyaren „orosz“.
Im Polnischen immerhin gibt es den bekannten Familiennamen Ruszczynski. Und im Polnischen gibt es den Imperativ „rusz“, was soviel heißt wie „bewegen“. „Rusz to
dupsko“ heißt, man verzeihe mir diese Abschweifung, „Beweg Deinen Arsch!“
Aha, da nähern wir uns der Lösung des Problems. Auch ein Holzwurm bewegt sich – und zwar fressend vorwärts. Sonst würde er ja verhungern. Ruszwurm dürfte demnach ein Wurm sein, der sich bewegt, möglicherweise eben ein Holzwurm.
Was den naheliegenden Verdacht betrifft, ein „rusz“ sei im Polnischen ein Russe, so war meine Enttäuschung groß: Der Russe heißt auf Polnisch „rosjanin“, was doch eigentlich recht liebenswert klingt wie „Rosmarin.“ Aber ich schweife schon wieder ab.
Gottlob ist mir eine Begegnung mit einer üppigen Kellnerin namens Orsolya in Budapest eingefallen. Das ist zwar schon lange, lange her – aber die Dame taucht ab und an in meinen Erinnerungen auf. Sie war Serviererin im berühmten Café Ruszwurm in Budapest. Und sie hat sich bewegt, jene Orsolya. Nicht nur „im Ruszwurm“, sondern auch… äh… meine Frau könnte mitlesen…
Jedenfalls will der Verkäufer des Holzhauses unseren User Ernst Maria Sprengemann „im Ruszwurm“ treffen. Meinen Segen hat er. Vielleicht trifft er da auch eine Orsolya. Das könnte dann die Tochter jener Orsolya aus dem Jahr 1988 sein.
Ich würde es unserem User gönnen, wenn ihn Orsolya im Holzhaus am Plattensee
besucht.
Wolfram Dübbel |