Schwamm und Schimmelpilz beseitigen |
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Mit dem Schimmelpilz als Problemfall vieler deutscher Häuser und
Wohnungen haben wir uns verschiedentlich beschäftigt. Was den "echten Hausschwamm"
betrifft - den größten Schadensverursacher an der Bausubstanz - so ist dessen Beseitigung
schwierig und aufwendig und nur von Experten erfolgreich durchführbar. Usern, die bei uns
anfragen, ob sie ein altes Haus kaufen sollten, das von Hausschwamm befallen ist, raten
wir dringend davon ab. Nun lassen wir einen Experten zu Wort kommen, der die Sanierung
von Schloß Krickenbeck am Niederrhein schildert. Sie können weitere Themen zur
Mauerwerkssanierung auch unter der Website unseres Autors Günter de Graaff
nachlesen (www.degraaff.de).
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Eine wechselnde Geschichte weist Schloß Krickenberg auf. Mehrmals um- und ausgebaut
brannte es Anfang dieses Jahrhunderts nieder. Der neue Besitzer ließ 1989 das Kleinod
vollständig instandsetzen.
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Schadensbild
In fast allen Räumen konnte Befall durch holzzerstörende Pilze unterschiedlicher Art festgestellt werden.
Bei Teilen des Dachgeschosses, die durch Fäulnisprozesse ihre Tragkraft eingebüßt hatten,
bestand Einsturzgefahr. Einige Holzdeckenfelder waren bereits in das darunterliegende
Geschoß abgestürzt. Das Eichenparkett, der Blindboden und die Lagerhölzer des Fußbodens
waren aufgequollen, das Holz stellenweise würfelbrüchig pulverisiert und in der Substanz
zerstört.
Im gesamten Gebäude konnte an einer Vielzahl von Stellen Fruchtkörper des Echten
Hausschwammes (serpula lacrimans) gefunden werden (Abb. 2 bis 4). Deutlich sichtbar ist das
rostbraune Mittelfeld mit den Sporen und dem weißlichen Zuwachsrand zu erkennen. In
einigen Räumen konnte an den Textil- und Holzverkleidungen watteartiges Luftmyzel des
Hausschwammes - aber auch des Kellerschwammes - festgestellt werden. Überall gab es
Schimmelpilzbefall (Aspergillus niger) und Algenbewuchs. Der Umfang des Pilzbefalls nahm
vom Keller zum Dachgeschoss zu. Der Befall durch den Echten Hausschwamm war im Vergleich
zu den anderen Geschossen im Keller- und Dachgeschoss geringer. Hier dominierte der Befall
durch den Kellerschwamm mit starker Myzelbildung und teilweiser Fruchtkörperbildung.
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Schadensursache
Die Ursache für den starken Pilzbefall konnte mühelos ermittelt werden: Unterlassene
Bauunterhaltung, die zu defekten Dachrinnen und Regenrohren sowie Dachundichtigkeiten
geführt hatte. Die jahrelange Vernachlässigung der Regenentwässerung hat stellenweise
sogar zu Baumbewuchs in den Außenmauern geführt. Darüber hinaus waren vom Voreigentümer
erhebliche planerische Fehler gemacht worden. Er hatte in dem Glauben, die Regendichtheit
des Daches zu verbessern, das defekte Schieferdach abgetragen und es statt dessen mit einer
Unterspannbahn aus gewebearmiertem Kunststoff abgedeckt. Diese war schon nach wenigen
Monaten durch starke UV-Strahlung und Windbelastung regelrecht zerbröselt und zerfetzt.
Dadurch konnte das Regenwasser praktisch in alle Geschosse eindringen und den
Feuchtegehalt in den organischen Baustoffen (Holz, Textilien, Leim, Papier) so stark
erhöhen, dass die Pilze günstige Wachstumsbedingungen vorfanden. Überall dort, wo die
Dacheindeckung wenig Schäden aufwies - Bergfried, Turmdächer -, also kein Wasser
eingedrungen war, konnte ein wesentlich geringeres
Pilzwachstum festgestellt werden.

Der Pilzbefall hat sich aus den Sporen entwickelt. Diese sind in der Luft allgegenwärtig.
Neben den Feuchtigkeitsverhältnissen im Baustoff und dem geeigneten Nährboden ist die
Entwicklung und Entstehung der Holzpilze von den Temperaturverhältnissen abhängig.
Optimalwerte für das Wachstum liegen bei 18 bis 22° C, also im Sommer oder in beheizten
Räumen.
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Schadenssanierung
Maßgebend für die Bekämpfung des Pilzbefalls ist die DIN 68 800 Teil 4
(Holzschutz im Hochbau, Bekämpfung von Befall durch Insekten und Pilze),
die allerdings bauaufsichtlich nicht eingeführt ist. Danach mußte mit einem
Sicherheitsabstand von 1m alles infizierte Holz ausgebaut und vernichtet werden. Dies war
ein großer Verlust für das Denkmal. Von der Holzausstattung der Jahrhundertwende musste
fast alles entfernt werden. Der Pilz hatte im Ergebnis die gleiche Wirkung wie das
Großfeuer um die Jahrhundertwende.
Aufgrund der starken Verbreitung des Echten Hausschwamms und anderer Pilze im gesamten
Hauptschloß mußte eine Mauerwerksbehandlung zur Vermeidung des Wiederauflebens nach dem
Umbau durchgeführt werden. Nach dem IGS-Gutachten wurden Bekämpfungsmaßnahmen, die sich
nur auf die Bauteiloberflächen erstreckten, von der Bauleitung als unzureichend angesehen.
Eine Hitzebehandlung schied wegen der bis zu 2 m starken Außenmauern und den notwendigen,
jedoch unerreichbaren Kerntemperaturen von vornherein aus. Die Wahl der Bekämpfungsmethode
fiel auf das Bohrlochinjektageverfahren mit pilztötenden Mitteln.
Der Bauherr forderte, dass nur Schutzmittel verwendet wurden, die das Gütezeichen RAL
besitzen und damit automatisch eine amtliche Prüfung auf gesundheitliche Unbedenklichkeit
durch das Bundesgesundheitsamt in Berlin durchlaufen haben.

Nach Abschlagen des Putzes und dem Auskratzen der Fugen erfolgte die Bohrlochtränkung von
der Innenseite her. Nur im Bereich der Kapelle wurde der Innenputz wegen möglicher
Malschichten belassen. Die Arbeiten sind von außen her im Raster des Sichtmauerwerks
ausgeführt worden. Auf einem Quadratmeter wurden jeweils 16 Bohrungen bei einer Bohrtiefe
von zwei Drittel des Wandquerschnitts gesetzt. Danach sind die Bohrungen mit dem
pilztötenden Mittel (Basilit M, 20prozentige Lösung) bei einem Druck von 2 bar verpreßt
und mit einem speziellen sulfatarmen Tubag-Traßzementmörtel verfüllt worden. Im Anschluß
an die Verpreßarbeiten wurden alle Bauteiloberflächen mit einem Brenner abgeflammt und
zusätzlich im Flutverfahren mit den gleichen pilztötenden Mittel behandelt.
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Instandsetzung des historischen Mauerwerks
Während der Bohrarbeiten gab es Schwierigkeiten mit den historischen Mauerwerk. Es wurde
festgestellt, dass dies - wie auch einige Zwischenwände - aus mehreren Schichten mit
Spalten und Hohlräumen besteht. Um eine möglichst homogene Durchtränkung aller
Mauerquerschnitte zu erreichen, mussten die Spalten mit Injektionsmörtel verfüllt
werden.
Als ergänzende vorbeugende Maßnahme wurden die erdberührten Außenwände abgedichtet und
eine nachträgliche Horizontalsperre aus Chromstahlplatten eingebracht. Sodann wurden die
Außenwände neu verfugt. Neueingebautes Holz wurde entsprechend der DIN 68 800 Teil 3
vorbeugend imprägniert.
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Sicherung des Sanierungserfolgs

Außer der chemischen Behandlung war zur Sicherstellung des langfristigen Erfolges der
Schwammbekämpfung die vorgenannten konstruktiven Schutzmaßnahmen und das Fernhalten des
Regenwassers durch ein neues Dach von wesentlicher Bedeutung. Alle infizierten Holzreste
aus der Baugrube und unter dem neu eingebrachten Kellerboden
wurden sorgfältig entfernt.
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