Schimmel an Wand, Fassade und im Keller
Ursachen und Schimmelbeseitigung aus der Sicht des Architekten Konrad Fischer
(Anmerkung der Redaktion: Der Autor vertritt teilweise Ansichten, denen andere Experten heftig widersprechen. Dennoch bringen wir diesen Beitrag und stellen jedem anderen Fachmann anheim, sich dazu zu äußern. Solche Stellungnahmen werden wir an dieser Stelle gerne veröffentlichen. Im übrigen ist wichtig, den Beitrag genau zu lesen und keine Sätze oder Halbsätze zu "überfliegen", um zu falschen Folgerungen zu kommen.)
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Feuchte und Schimmel im Wohnbereich
Das Thema "Schimmel an der Wand" ist heute ein Dauerbrenner geworden. Meist geht
es um falsche Bauweise, falsches Lüften und ungenügende Heiztechnik. Auf die
häufigsten Fallgestaltungen soll hier eingegangen werden, um unseren Lesern die
Möglichkeit zur richtigen Weichenstellung bei der Problembehebung zu geben.
Voraus: Schimmelbefall ist nicht nur ein baulicher Mangel. Erhebliche
Gesundheitsgefahren sind damit verbunden. Deswegen dürfen die nachfolgenden
Empfehlungen nicht als verbindliche Lösungen verstanden werden, sondern sind
bedarfsweise durch medizinischen und mykologischen Sachverstand zu ergänzen.
Begutachtung des Schimmelbefalls: Werden aus Beweissicherungsgründen,
zur Begutachtung gesundheitlicher Risiken oder bei unklarer Befallslage
detaillierte Untersuchungen über Umfang und Art des Befalls erforderlich,
sollte man sich zunächst vom staatlichen Gesundheitsamt beraten lassen. Diese
können dann Sachverständige für die weiter Untersuchung benennen. Tipp:
Mehrere Angebote einholen und den Auftrag mit dem Gesundheitsamt abstimmen.
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Fallgruppe Feuchte und Schimmel im Wohnbereich:
Meistens geht es um Schimmel in wenig geheizten Schlafräumen und anderen
untertemperierten Bereichen. Soll man Innen- bzw. Außendämmung anbringen, um
die Wandtemperatur zu erhöhen und die "eiskalte Wand" zu vermeiden?
Schimmel braucht Feuchte. Diese kommt - von
Extremfällen undichter Dächer oder nässender Altkamine mal abgesehen - aus der
überhöhten Raumluftfeuchte. Ein Vierpersonenhaushalt gibt täglich zwischen
7-15 Liter Wasser in die Raumluft ab. Und dagegen hilft die allseits beschworene
"Stoßlüftung" gar nichts. Ist die Luft zu feucht, kondensiert sie in die Wand
und bildet dort flüssiges Wasser in den Baustoffporen. Um dieses zu verdampfen,
müßte Energie aufgewendet werden. Stoßlüftung - und ebenso ständig gekippte
Fenster - liefern aber keine Energie. Im Gegenteil:die Außenwände kühlen weiter
ab, der Kondensateintrag nimmt weiter zu. Im Klartext: Jegliche Art von
Dämmstoffverbau in den Wohnräumen ist hinausgeschmissenes Geld. Obendrein, und das belegen
sowohl Heizkostenvergleiche gedämmter und ungedämmter Häuser wie auch das
sogenannte Lichtenfelser Experiment, wandern einseitige Temperaturerhöhungen
durch die üblichen Dämmstoffe in großer Geschwindigkeit hindurch. Nur
speicherfähige Massebaustoffe wie Holz und Ziegel können den Wärmeabfluß
wirklich bremsen.
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Zwei Maßnahmen zur Schimmelbeseitigung im Wohnbereich können helfen:
Einmal die ausreichende Fugendurchlässigkeit der Fenster. Gummilippendichte Fenster sind regelmäßig die Auslöser des Schimmelproblems. Abhilfe auf einfachste Art leistet das Entfernen der Lippendichtungen am oberen Rahmenanschluß (Sturzbereich).
Nicht an den Seiten, es könnte Schlagregen
eindringen! Und nicht unbedingt an jedem Fenster, sondern stufenweise, bis sich der Erfolg einstellt. Also: geringfügige Dauerlüftung durch die Fensterfugen tauscht ständig Raumluftfeuchte gegen trockene Außenluft ab. Stoßlüftung alleine - nach dem Duschen sicher sehr sinnvoll - kann Kondensat in der Außenwand jedoch nicht sicher vermeiden. Die alten Fenster ohne
Gummilippendichtung waren also raumlufttechnisch perfekt und entsorgten
überschüssige Feuchte schimmelfrei durch Kondensation am Glas.
Zum anderen hilft eine ausreichende Wärmeversorgung der betroffenen
Schimmelwand mittels Strahlungsheizung. Die üblichen Konvektionsheizungen
erwärmen vorrangig die Raumluft und lassen die kondensatgefährdeten Außenwände
unterkühlt. Kondensateintrag und Schimmel sind die Folge. Eine einfache
Ergänzung der vorhandenen Heizungsrohre kann das Problem mit wenigen Metern
Rohrverlegung lösen: als offen geführte "Heizschleife" mit dauernder
Warmwasserzirkulation mittels ungedämmter Heizleitung auf der Sockelleiste.
Eine Strahlungsheizung erwärmt ja vorrangig das Bauteil und nicht die Luft.
Ohnehin sind Luftheizungssysteme gesundheitlich sehr bedenklich: sie mißbrauchen
und verschmutzen unser wichtigstes Lebensmittel - die Atemluft. Die
Hüllflächentemperierung als Strahlungsheizungssystem ist deswegen nicht nur
aus Gründen des Schimmelschutzes sinnvoll.
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Fallgruppe Schimmelbefall als Folge nasser Kellerwände:
Hier geht es zunächst wieder um Kondensat auf kühlen Bauteilen. Da Kellerwände
oder unbeheizte Flure gerade gegenüber der feuchtwarmen Sommerluft besonders
kühl sind, nehmen sie bei sommerlicher Lüftung geradezu extreme Kondensatmengen
auf. Lüftung sollte dort also nur erfolgen, wenn die Außenluft deutlich kühler
als die Oberfläche der Wände ist. Dies ist in Eingangsbereichen natürlich
unmöglich. Hier sind feuchtestabile und gut kapillartrocknende Luftkalkputze
und Kalktünchen vorteilhaft. Die "guten" Dampfdiffusionswerte mancher
Synthetikfarben sind leider ohne jeden Belang. Sie blockieren nämlich die
kapillare Austrocknung der flüssig vorliegenden Bauteilfeuchte aus den Poren.
Wichtig: Der Feuchtetransport in Bauteilen erfolgt 1000fach mehr flüssig als
dampfförmig. Die vielbeschworene Dampfdiffusion spielt also baupraktisch keine
Rolle.
Die zweite Feuchtequelle kommt aus der Baugrube. Dabei handelt es sich meist
nicht um sogenannte "aufsteigende" Feuchte. Diese ist im üblichen Mauerwerk
geradezu unmöglich: es gibt nämlich keinen Kapillartransport zwischen
kleinporigen Mauersteinen und grobporigem Mörtel. Nachträgliche
Horizontalisolierungen und Injektagen sind also nicht zielführend, sondern
schädigen den Geldbeutel und das Mauerwerk. Die wahre Feuchteursache ist
meistens eine Baugrube, wasserdurchlässig verfüllt, vielleicht
verstärkt durch setzungsbedingt undichte Abwasserrohre. Bei ausgiebigen
Regenfällen füllt sich das Wasser in der Grube und überwindet die gegebene
Bauwerksabdichtung dank hohem Staudruck von der Seite, aber auch von der
Bodenplatte her als drückende Feuchte. Eine fehlerhafte Drainage kann zusätzlich
Stauwasser heranführen. Am besten wäre hier eine lagenweise Abdichtung der
Baugrube mit wasserdichtem Deponieton von unten her. Ob eine nur oberseitige
deckelartige Abdichtung mit Deponieton für Garten- und Landschaftsbau hilft,
künftiges Absaufen der Baugrube zu verhindern oder auf ein unschädliches Maß zu
beschränken, muß vor Ort entschieden werden. Als verhältnismäßig einfache
Methode ist dies auch in Selbsthilfe vorstellbar. Undichte Grundleitungen
können durch Videobefahrung kostengünstig geortet werden und sind dann im
erforderlichen Umfang zu reparieren.
Für die Reinigung verschimmelter Oberflächen liefert billiger Haushaltsspiritus
(leicht entzündlich!) meist das beste Ergebnis. Alkohol dehydriert den
Untergrund rückstandsfrei, das tötet den Schimmelbefall bis in die Tiefe. Von
sonstigen Giftmittelchen oder Essigsäure ist abzuraten. Schimmelpilze lieben
das leicht saure Milieu, das gerade Dispersionsfarben bereitstellen. Die hohe
Alkalität von reinen Kalkprodukten schützt vor Neubefall - ohne
gesundheitsschädlichen Giftzusatz (Fungizid/Algizid).
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Fallgruppe Schimmel und Algen auf der Fassade:
Ungünstige Bewitterungsverhältnisse und schadensträchtig eingebaute Wärmedämmsysteme
sind die Voraussetzung für schwarz, grün und braun befallene
Fassaden. Ein wasserrückhaltender und trocknungsblockierender synthetisch
"vergüteter" Anstrich oder gar Kunstharzputz bietet meist die Voraussetzung
für den Befall. Hier kann dampfförmiges Luftkondensat und durch das versprödete
Rißnetz in der Beschichtung auch Regen eindringen und den Untergrund
auffeuchten. Die kapillardichte Beschichtung blockiert dann die Trocknung.
Obendrein bietet ein synthetischer Anstrich geradezu perfekte
Besiedelungsbedingungen für Algen und Pilze. Deswegen werden solche Anstriche
mit Algiziden bzw. Fungiziden vergiftet. Helfen kann das nur kurz, die Gifte
sind ja wasserlöslich und werden durch Beregnung ausgespült. Bei Dämmfassaden
ohne ausreichende Speicherfähigkeit, egal ob aus geporten Steinen, Schäumen
oder Gespinsten, kommt noch erschwerend hinzu, daß sie am Abend sehr schnell
unterkühlen. Die dann ebenfalls abkühlende Luft kondensiert dann in die kalten
Fassaden ein und liefert die Wachstumsvoraussetzungen für Schimmel und Algen.
Nun kann man befallene Fassaden als Dauerbaustelle pflegen, also immer wieder
reinigen, Risse reparieren, neu beschichten mit vergifteten Anstrichen. Die
klassische Fassadenreparatur mit befallshindernden Kalkprodukten, ausreichendem
Witterungsschutz und gut trocknungsfähigen hinterlüfteten Verschalungen bietet
dazu eine sinnvolle Alternative.
Natürlich können hier nicht alle Fallgestaltungen abschließend beurteilt werden.
Deswegen bietet die Webseite "Altbau und Denkmalpflege Informationen"
http://www.konrad-fischer-info.de über 1500 Seiten mit Fachtexten zur
weiteren Vertiefung. Auf die Entscheidungshilfe qualifizierter Architekten und
Handwerker sollten Sie nicht verzichten. Die hier gegebenen Informationen
können Ihnen dabei Hilfestellung leisten.
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Wie bereits angedeutet, wird Konrad Fischer in der Fachwelt durchaus kontrovers betrachtet.
Nun hat sich mit dem Dipl.-Physiker Jochen Ebel einer seiner erbittertsten Gegner bei uns in
der Redaktion gemeldet. Wir möchten Ihnen nicht vorenthalten, was er zu dem Beitrag von Konrad
Fischer zu sagen hat. Anschließend kann sich jeder selbst entscheiden, welcher "Fraktion" er
angehören möchte.
Stellungnahme des Dipl.-Physikers Jochen Ebel
Den Aussagen des Bauphysiklaien Konrad Fischer (Herr Fischer ist Architekt) widersprechen
andere Experten nicht, sondern die Experten stellen lediglich fest, dass eine Laienmeinung
vorliegt, die falsch ist.
Das fängt schon mit so einfachen eigenen Widersprüchen von Herrn Fischer wie dem folgendem an
(2 Zitate): "und ebenso ständig gekippte Fenster" (wird verteufelt) und "Abhilfe auf einfachste
Art leistet das Entfernen der Lippendichtungen am oberen Rahmenanschluss (Sturzbereich)".
(Wird empfohlen). Wo bitte ist da der Unterschied? Das gekippte Fenster ist oben genau so
offen, wie die entfernte Dichtung.
Aber das ständig gekippte Fenster ist genau so wenig "die" Lösung, wie das Entfernen der
Dichtung. Das folgt schon daraus, dass bei beiden die Luftwechselrate abhängig ist vom Wind.
Herrscht draußen Windstille ist der Luftwechsel gering, herrscht draußen Sturm ist ein sehr
hoher Luftwechsel - evtl. wird sogar einiges weggeblasen.
Richtig ist, dass in der Wohnung beim Vierpersonenhaushalt täglich ca. 10 l Wasser in die
Raumluft abgegeben werden (abhängig von der Nutzung), die entfernt werden müssen. Durch die
Wände diffundieren ca. 3%, der Rest muss in der Regel weggelüftet werden (ein Teil der
Feuchtigkeit könnte auch mit einem Entfeuchter der Luft entzogen werden, aber wer macht das
schon?).
Weiteres Falsches: "Ist die Luft zu feucht, kondensiert sie in die Wand und bildet dort
flüssiges Wasser in den Baustoffporen. Um dieses zu verdampfen, müsste Energie aufgewendet
werden. Stoßlüftung - und ebenso ständig gekippte Fenster - liefern aber keine Energie".
Wird richtig gelüftet (auch mit Stoßlüftung), braucht gar kein Wasser verdampft zu werden,
da überhaupt kein Wasser kondensiert.
Zu niedrig temperierte Räume (z.B. Schlafzimmer): Da die Schlafzimmertüren nicht absolut dicht
schließen bzw. zeitweise offen stehen, herrscht in der ganzen Wohnung der gleiche Wasserdampfdruck v
on ca. 1000 Pa (zum Vergleich: ein Wind mit Windstärke 5 drückt mit ca. 50 Pa). So dicht kann
die Schlafzimmertür gar nicht sein, um ein Druckgefälle des Wasserdampfes zwischen Schlafzimmer
und übriger Wohnung von 100 bis 200 Pa nach dem Lüften aufrecht zu erhalten. Aber gleicher
Wasserdampfdruck bedeutet bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliche relative
Feuchte. Deswegen kann es an den kühleren Schlafzimmerwänden schon zu Schimmelbildung kommen,
auch wenn die übrige Wohnung schimmelfrei ist.
Übrigens kann Schimmelbildung schon bei 80 % relativer Luftfeuchtigkeit (RLF) einsetzen - da
kondensiert noch kein Wasser. Wenn die Wohnung insgesamt genügend trocken gelüftet wird, ist
wahrscheinlich die höhere Feuchte im Schlafzimmer noch genügend gering. Vielleicht sind aber
die Wände zu kalt? Dann bringt eine Außendämmung (keine Innendämmung) einen Temperaturanstieg
der Wandoberfläche und die magischen 80 % RLF werden vermieden.
Maßnahme zur Vermeidung von Schimmel ist in der Hauptsache eine ausreichende Lüftung. Wenn es
durch die baulichen Gegebenheiten unmöglich ist, ausreichend zu lüften, dann liegt ein
Baumangel vor. Weitere Ursachen könnten eine nicht ausreichende Dämmung und direkter
Wassereintrag (undichtes Dach usw.) sein.
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